Webstalle's Luftfahrt

The Heart of Texas


© 2005 Friedhelm Stille

Es war gleissend hell und drückend warm, als ich kurz nach 14 Uhr Ortszeit endlich aus dem klimatisierten Terminalgebäude heraus ins Freie trat. Jemand von der Flugschule, von Delta Qualiflight, so war es vereinbart, sollte mich hier am Flughafen in Dallas abholen. Diese Flugschule war - und ist - am Flugplatz von Fort Worth einige Kilometer südwestlich beheimatet, und dort, direkt am Platz war auch meine Unterkunft, das Sandpiper Inn, ein zum Hotel umgebauter ehemaliger Flugzeughangar. So glaubte ich also, für die nächsten vier Wochen auf einen Mietwagen verzichten zu können.

Schliesslich, nach einer Weile erfolglosen Wartens auf meinen Abholer, entschloss ich mich zu einer Taxifahrt. Es existierte da am Fahrbahnrand so eine Art Infostand, und die Dame dort hatte auch gleich ein Taxi parat. Mit Fort Worth dem Fahrtziel, wusste der Fahrer wohl weniger anzufangen wie ich. War es dessen mangelnde Ortskenntnis oder hatte ich meine Sprachfähigkeiten doch überschätzt?
Nun, immerhin, flugs hatte ich mein VFR Sectional, die Sichtflugkarte für die Dallas-Forth Worth Area zur Hand und visualisierte mein Anliegen. Das half, und kurz darauf waren wir unterwegs. Der allererste Einsatz meiner Luftfahrkarte hatte sich bewährt.
Angekommen im Stadtgebiet, hieß es, meine Unterkunft, das Sandpiper Inn ausfindig zu machen. Ortsunkundig wie wir beide, mein Fahrer und ich, waren, bedeutete dies eine neue Herausforderung. Immerhin fiel mir ein, jenes Motel befinde sich am örtlichen Flugplatz, den ein Luftraum D umgab. Viel half dies dem Fahrer zwar nicht, aber mir. Bei Forth Worth handelte es sich also um einen kontrollierten Platz mit Turm und rotating Beacon, relativ einfach auszumachend. Und dann war er auch schon einfach da, huschte an mir vorbei. Irgendwann überzeugte ich auch meinen Fahrer, mich doch einfach am Platz abzusetzen, das hätte schon seine Richtigkeit. Er tat wie ihm geheißen, lud mich samt Gepäck aus und entschwand. Das Sandpiper Inn auszumachen, war dann doch etwas schieriger als anfangs gedacht, ich ging mehrfach an diversen Bauten entlang, bis ich schliesslich - schon leicht genervt und durchgeschwitzt - eines der Gebäude betrat um Auskunft einzuholen.

John, die Auskunft am Frontdesk, erklärte, ich sei schon richtig hier, dies sei das Sandpiper Inn. Erleichtert checkte ich ein und bekam mein Zimmer, angenehm groß (im Vergleich zu deutschen Hotelzimmern), und das alles für umgerechnet 20 US $ pro Tag. Welcome to Fort Worth.
Die Monatspauschale von 600 US $ für vier Wochen hatte ich daheim in Deutschland bereits ausgehandelt. Interessant zu erwähnen: Das Zimmer lag zentral im Innern des zu einem Hotel umgebauten ehemaligen Flugzeughangars und hatte keinerlei Fenster, befand sich aber im zweiten Stock direkt unterm Dach. Die texanische Sonne und die Klimaanlage im Zimmer wetteiferten miteinander um ein erträgliches Klima; der Verlierer war ich: Das für mich ungewohnte Brummen der Aircondition hielt mich wach, und ich begann, einen Schnupfen zu entwickeln. Und morgen sollte ich meine erste Flugstunde nehmen...

Es war dann John, der am Telefon war, das des nachts klingelte. Er hätte mich im Zimmer laufen hören und wollte wissen, ob alles in Ordnung sei - was es nicht war. Immerhin, ich bekam sofort ein anderes Zimmer, mit Fenster und Balkon und zog noch in derselben Stunde um.
So war ich dann doch einigermaßen ausgeruht, an diesem ersten Sonntagmorgen in den USA. Die Sonne schien, und es war eine Freude, gemächlich zur Flugschule zu gehen, dort vor der Zeit anzukommen und nett und freundlich einzutreten.

You are to early.

empfing mich eine grämig dreinblickende Person mit blonden Haaren am Empfang, ohne den Blick von einem Bildschirm zu heben, an dem eine Art Computerspiel lief, das er mit jemanden anderen neben ihm spielte.
Ich solle mich also erstmal setzen und warten, hieß es, ohne einander vorgestellt zu werden. Und wo ich denn eigentlich gewesen sei, gestern, man habe auf mich gewartet...
Das war also mein Abholer gewesen! Welch Glück, ihn gestern verpaßt zu haben. Welch Pech - er sollte mein Fluglehrer sein. Welcome to Meacham International Airport, within the Heart of Texas. Weiter...